“Gangster’s Paradise” becoming “Germany´s Most Romantic Street”

The search for new ways of urban strategies to encounter local problems, the development of active citizenship and the creation of a new identity has begun in Duisburg-Marxloh several years ago.

A report by Urban Rhizome

___ Duisburg-Marxloh - Then and Now

The city district in the north of Duisburg, Germany, is just recovering from its stigmata of being the dangerous „no-go-area“ in North Rhine-Westphalia and was simply called „Little Istanbul“.

Marxloh experienced a population boom in the early 20th century along with an increasing industrialization along the Ruhr River. In the 1920s Marxloh was no longer a village, but consisted of about 35,000 inhabitants.

As a result of de-industrialization Marxloh´s population dropped down to 17,500 until today. Between 1980 and 1994, 11.000 people lost their jobs in the coalmines and steel factories.

Now 34% of the population are recipients of social benefits, the vacancy rate is at 12%. The average education level is low, the unemployment rate is at 23%. Up to 70% of Marxloh´s inhabitants are residents with a migration background from Turkey.

Through a regional, national and European 130 million Euro funding, aiming at the restructuring of the down-going district, starting in 1985, Marxloh is since then continuously improving its image.

Of course - the approaches of refurbishing facades, squares and parks have also been criticized due to a minimum-integration of community proposals.

___ “Gangster’s Paradise” becoming “Germany´s Most Romantic Street”

In spite of all the quarrels - this is an example of an extraordinary successful collaboration between the citizens of Marxloh and the Municipality:

In 2008, Germany´s biggest Mosque proudly opened its doors in Marxloh.

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Stadtführungen durch Zürich

“Pickeltouren” - ein so häßliches Wort, daß ich es am liebsten nicht in unseren Blog aufnehmen würde!

Aber es gibt ein nettes Projekt in Zürich: Jugendliche führen Leute durch ihre Stadt. “Pickeltouren gibt jungen StadtbewohnerInnen die Möglichkeit, ihr persönliches Zürich einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen. Schritt für Schritt. Dabei sind neben persönlichen Wahrnehmungen immer auch recherchierte Hintergründe und erarbeitete Erzählungen mit im Gepäck. Die Geschichten werden dort erzählt, wo sie stattgefunden haben oder noch immer passieren.”

Die meisten von ihnen sind Studenten, also auch kaum Jugendlichen (nach meiner Definition) mehr. Bezeichnenderweise bieten die Jugendlichen (Mädchen) Shopping-Touren an und die Jungs “Geocaching” und “Ausflüge in die Informationslandschaft” an… 

Wie man Städte bereisen sollte

1. Kaufen Sie topografische Karten Ihrer Stadt im Maßstab 1:25.000 (gibt es in Deutschland im Katasteramt und bei den Landesvermessungsämtern)

2. Finden Sie heraus, welche die Ortsteile sind, die im kollektiven Bewußtsein der Stadt von sich selbst unterrepräsentiert bis nicht vorhanden sind.

3. Suchen Sie diese Orte auf. Stellen Sie Besonderheiten fest. Halten Sie sich über längere Zeiträume dort auf. Machen Sie Fotos von Orten, Dingen und Menschen, die Ihnen zugleich typisch und fotografisch repräsentierbar erscheinen. Sprechen Sie mit Leuten, die sich an diesen Orten schon länger aufhalten als Sie.

4. Lassen Sie die Fotos entwickeln und abziehen. Was sehen Sie? Was ist alles nicht auf den Fotos? Konnte es überhaupt auf Fotos erscheinen?

5. Kehren Sie zu den Orten zurück. Haben Sie Geduld. Lassen Sie Langeweile einfach vorübergehen.

6. Kehren Sie mehrfach zurück, mit und ohne Kamera. Führen Sie Gespräche, trinken Sie Kaffees in den unscheinbarsten Lokalen. Betrinken Sie sich am hellichten Tag. Schlafen Sie Ihren Rausch an einem unpassenden Ort aus. Kommen Sie wieder mit Schlafsack und Zelt oder übernachten Sie in einer Pension/ Zimmer mit Frühstück/ kleinem Hotel.

7. Gehen Sie nochmals ins Katasteramt, um Karten und Luftbilder des Gebietes Ihrer engeren Wahl, im Maßstab 1:5000, in zweifacher Ausführung, zu besorgen. Montieren Sie eine Ausführung zu einem zusammenhängenden Bild und hängen Sie dieses an die Wand Ihrer Wohnung/ Ihres Arbeitsraumes (wenn die Wandfläche nicht ausreichen sollte, mieten Sie für diese Zeit einen Raum mit entsprechend großen Wänden).

8. Lassen Sie die Grafik auf sich wirken. Vergleichen Sie die Struktur der unter Punkt 2 als unterrepräsentiert befundenen Ortsteile mit denen der identitätsbildenden Ortsteile. Was fällt Ihnen auf? Versuchen Sie, es in Worte zu fassen. Machen Sie Notizen.

9. Hängen Sie neben die Karten und Luftbilder im Maßstab 1:5000 Ihre topografische Karte im Maßstab 1:25.000. vergleichen Sie. Prägen Sie sich alles gut ein. Stecken Sie den zweiten Satz Karten und Luftbilder M 1:5.000 in eine Papprolle und legen Sie diese zu Ihrer Reiseausrüstung.

10. Lassen Sie die Sache ruhen. Verbringen Sie einige tage oder Wochen mit Broterwerbstätigkeit oder reisen Sie in ferne Länder. In dem Maße, in dem Ihre Sehnsucht nach Fortsetzung der Untersuchung steigt, werden Sie Klarheit über das Wesen der Untersuchung gewinnen.

11. Lesen Sie niemals die lokale Tageszeitung. Die Oberflächlichkeit ihrer Betrachtungen widerspricht ihrem Gewicht als Gedrucktem. Das würde Sie irritieren und zurückwerfen. Wahrscheinlich hat jede ihrer eigenen Erkenntnisse zu diesem Zeitpunkt bereits mehr Gewicht.

12. Besuchen Sie statt dessen Archive von Stadtverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften, die Lokalita-Regale von Antiquariaten, Plankammern, Bildarchive, Heimatvereine. Atmen Sie den Geist dieser Häuser.

13. Gehen Sie Fragen, die auftauchen, hartnäckig nach. Nicht, um die Wahrheit zu erfahren, sondern um viel zu hören zu bekommen; das hilft, die Grenzen zwischen Innenbildern und Faktizität aufzulösen.

14. Variieren und ergänzen Sie die Schritte 1 bis 13, bis Sie sich kompetent fühlen für die Schritte 15 bis 19.

15. Stellen Sie sich vor, Sie müßten Ihr Innerstes nach außen kehren. Dabei könnten Sie weder sprechen noch schreiben. Aber Sie kennen all diese Orte. Welche Orte würden Sie Ihrem Gegenüber zeigen, um etwas von sich zu erzählen? In welche Reihenfolge würden Sie sie bringen, um ihre Wirkung zu verstärken?

16. Ihr Gegenüber kommt aus identitätsbildenden Regionen der Stadt. Welches Gefühl für diese Terra Incognita möchten Sie ihm vermitteln?

17. Welche identitätsbildenden Elemente enthält die Terra Incognita selber? Tappen Sie nicht in die Falle der Stadtplaner und Lokalpolitiker, sondern nehmen Sie diese Elemente einfach zur Kenntnis. Meistens werden Sie sie umgehen.

18. Gibt es Sensationen? Wenn ja, welche? Kommt in diesen Sensationen etwas verstärkt zum Ausdruck, das das ganze Gebiet wie gewisse Gerüche, die man nur dicht über dem Boden riecht, durchzieht? Unbedingt einbauen!! (auch wenn die Lautstärke dieser Sensationen unter Umständen den ganzen Spannungsbogen neu zu gestalten zwingt). Andere Sensationen sind wertlos, wird es aber auch kaum geben.

19. Führen Sie Freunde und Fremde zu Ihren persönlichen Plätzen. Riskieren Sie peinliche Momente. Fassen Sie Ihre Vorlieben in Worte, die diese Vorlieben ausdrücken und begründen. Prägen Sie sich Formulierungen, bei denen die Peinlichkeit verschwindet, ein.

20. Verfeinern Sie den Weg über die Jahre

Boris Sieverts, Büro für Städtereisen